Die Blaue Ente macht Geschichten. Seit über 500 Jahren.

Vermutlich ist sein Name nicht in die Geschichtsbücher eingegangen. Und doch muss Eberhard Stagel ein weiser und vorausschauender Mann gewesen sein. Als Vogt und Gerichtsherr liess er um 1410, trotz allerlei Widerstand und Klagen, in Altstetten eine Tavernenwirtschaft eröffnen. In einer Zeit, als das Reisen mühsam und beschwerlich war, sollten sich Pilger und Kaufleute von den Strapazen erholen und Mahl, Obdach und frohe Geselligkeit im Wirtshaus geniessen.
Bald schon zeigte sich, dass die Taverne einem wirklichen Bedürfnis entsprach, denn just zu dieser Zeit erlebten Wallfahrten einen regelrechten Aufschwung. Fast gleichzeitig verlagerte sich der Verkehr im Limmattal vom Fluss auf die Landstrasse, die durch Altstetten führte.

«Das ist ja schön», werden Sie jetzt denken, «aber was hat eine historische Schenke in Altstetten mit der Blauen Ente im Seefeld zu tun?» Nur Geduld, hier ist die Auflösung:

Namensgeber der Taverne in Altstetten waren die damals in der Gegend häufig nistenden Wildenten, die man volkstümlich «blaue Enten» nannte. Ein künstlerisch begabter Handwerker schuf für das Wirtshaus ein Schild, das in seinem Mittelpunkt eine solche blaue Ente zeigt. Als damalige Art der Werbung zierte es ab 1674 die Taverne in Altstetten. 1760 gelangte die «Blaue Ente» in den Besitz der Zürcher Familie Wehrli. Und in deren Besitz ist sie auch heute, 250 Jahre später, immer noch – wenn auch an einem anderen Standort. Denn die Wildente zog es passender Weise weg von Altstetten und hin zum See – genauer gesagt ins Zürcher Seefeld – noch genauer gesagt, ins Areal der Mühle Tiefenbrunnen. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg. Denn 1850 schloss der damalige Besitzer, Major Jakob Wehrli, schweren Herzens die «Blaue Ente» in Altstetten. Der Major war ein vielbeschäftigter Mann, der mehrere öffentliche Ämter bekleidete, einen Gutsbetrieb leitete und eidgenössischer Pulververwalter wurde. Er konnte die Taverne nicht mehr betreiben und verzichtete 1880 auch auf das Tavernenrecht in Altstetten. Doch der Name des Wirtshauses ging nicht verloren. Denn die Nachfahren des Jakob Wehrli eröffneten 1986 im Areal der Mühle Tiefenbrunnen ein Restaurant, das stolz den Namen des geschichtsträchtigen Vorgängers aus Altstätten trägt: Blaue Ente.

Und hier schliesst sich der Kreis: Denn heute ist die Blaue Ente mehr denn je ein geschätzter Treffpunkt für Genuss, Inspiration und Begegnung. Den weisen Vogt von 1410 würde das sicher freuen. Das alte Wirtshausschild aus dem Jahr 1674 befindet sich heute übrigens im Ortsmuseum in Altstetten. Die originalgetreue Nachbildung sehen Sie bei Ihrem nächsten Besuch in der Blauen Ente bestimmt mit neuen Augen. Und wie heisst es doch so schön: Ente gut, alles gut.

Wirtshausschild Blaue Ente